
Wer heute im globalen Wettbewerb mithalten will, muss mit innovativen Konzepten eine Vorreiterrolle am globalen Markt übernehmen.
Neue Maßstäbe werden bei Linde Leuna mit dem Aufbau eines Remote Operation Centers für Luftzerlegungsanlagen, kurz ROC, gesetzt. Dahinter verbirgt sich die zentrale Steuerung verschiedener dezentraler Luftzerlegungsanlagen in Europa von einem Prozessleitzentrum aus. Für dieses Leitzentrum hat Leuna in Mitteleuropa die besten Voraussetzungen: moderne Infrastruktur, qualifiziertes und motiviertes Personal und nicht zuletzt eine der größten Luftzerlegungsanlagen der Linde AG.
Im Mai 2009 bekam die Projektgruppe im Geschäftsbereich Linde Gas grünes Licht vom Vorstand und begann mit der Umsetzung. „Zunächst musste an den verschiedenen Standorten der Istzustand der jeweiligen Anlage detailliert erfasst werden, um den notwendigen Investitionsbedarf für die Automatisierungstechnik, Sicherheit und Finanzierung zu ermitteln“, erläuterte Joachim Pretz, ROC-Manager bei Linde.
Neben der technischen Ausstattung musste auch der Personalbedarf für die unterschiedlichen Anlagen berücksichtigt werden. „Zukünftig sollen die dezentralen Anlagen von dem zentralen Prozessleitzentrum in Leuna gesteuert werden, aber die Anlagen werden in der Tagschicht weiterhin vom Personal vor Ort betreut“, betont Dr. Pretz und vergleicht das Projekt mit der Luftfahrt: „Bildlich gesprochen, sind der Operator und die Ingenieure vor Ort die Fluglotsen und der Tower ist das ROC-Center in Leuna, das 24 Stunden und sieben Tage die Woche – also rund um die Uhr – besetzt ist.“
Die Vorteile eines ROC-Centers liegen vor allem in der Energieeinsparung, durch die automatisierte Fahrweise wird das energetische Optimum der Anlage erzielt. Synergien entstehen ebenso bei den Wartungsmaßnahmen und Stillständen, denn diese werden künftig besser aufeinander abgestimmt sein. Das Leitzentrum und Distribution befinden sich in einem Haus, so dass hier kurze Wege und genaue Informationen über den Produktbestand vom Leitzentrum für alle angeschlossenen Anlagen erhältlich sind. Damit kann die Distribution schnell und flexibel auf Kundenanfragen reagieren.
Momentaner Stand: Erste Testphase bestanden
Nach einem Jahr seit dem Projektstart sind die notwendigen Umbaumaßnahmen und die IT-Aufrüstung in der Leitwarte in Leuna abgeschlossen. Eine Anlage, und zwar die in Schkopau, ist bereits integriert und wird nun von Leuna aus gesteuert. Damit hat die ROC-Installation ihre erste Testphase bestanden. Weitere Anlagen in Hamburg, Salzgitter und Basel werden noch in diesem Jahr aufgeschaltet.
Perspektivisch sollen schrittweise ca. 70 Anlagen an das ROC-Center in Leuna angeschlossen werden. Die notwendigen Investitionskosten beziffert Pretz auf insgesamt fünf Millionen Euro. Die Hauptfinanzierung erfolgt durch die zu erwartende Energieeinsparung, denn die Luftgase entstehen hauptsächlich durch Energiewandlung. Während an den einzelnen Standorten weniger Personal notwendig sein wird, muss das ROC-Center in Leuna personell in den nächsten Jahren verstärkt werden. „Die größte Herausforderung für uns ist es, die Betriebsleiter und Operator der dezentralen Anlagen vom Projekt zu überzeugen und dafür zu begeistern“, so Dr. Pretz. Verständlich, denn für einige von ihnen ist die Umstellung mit einem Umzug nach Leuna verbunden.