05.04.2019    

Was kommt nach dem Kohleausstieg?

InfraLeuna lud zum Workshop zu energiepolitischen Konsequenzen ein

InfraLeuna-Geschäftsführer Dr. Christof Günther im intensiven Gespräch mit Sachsen-Anhalts Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert. Foto: Petra Wozny

Etwa 60 Unternehmer aus dem Chemiepark Leuna und der Region, aber auch Sachsen-Anhalts Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert und zahlreiche Kommunalpolitiker suchten in einem Workshop im cCe Kulturhaus Antworten auf die sich immer stärker aufdrängende Frage: Der Kohleausstieg ist beschlossene Sache, doch was dann?

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau, Prof. Dr. Thomas Brockmeier, kritisierte den Fahrplan zum Kohleausstieg. „Ein klimapolitisch motivierter Ausstiegspfad darf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht ignorieren!“ Ansonsten könne nicht von einem Strukturwandel gesprochen, sondern müsse ein politisch induzierter Strukturbruch beklagt werden, so Brockmeier. Zudem gab er zu bedenken, dass es gerade in Mitteldeutschland energieintensive Industrie gäbe, deren Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel stünde, wenn infolge des Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung die Energiepreise noch stärker anstiegen als ohnehin schon. Eine Chance sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer darin, gerade im südlichen Sachsen-Anhalt als Kern des mitteldeutschen Reviers ingenieurtechnische Kompetenzen in einem neuen Zentrum mit internationaler Ausrichtung und fachlichem Profil rund um das Thema ‚Energie‘ zu bündeln.

Was bedeutet der Kohleausstieg speziell für Leuna? Dieser Frage ging Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, nach. Er erinnerte an die lange Tradition von Chemie und Kohle in dieser Region, aber auch an den Bruch, den die Wende wirtschaftlich gerade in der chemischen Industrie nach sich zog. Er kostete tausende Arbeitsplätze, weil zahlreiche Unternehmen geschlossen wurden. Begleitet wurde dieser Prozess von einer massiven Abwanderung von Jugendlichen und Fachkräften. „Heute verfügen wir in Leuna über wettbewerbsfähige Strukturen. Um diese zu sichern und weiterzuentwickeln, benötigen wir einen vernünftigen energiepolitischen Rahmen“, betonte er.

Die InfraLeuna trage in diesem Prozess als Energieversorger eine hohe Verantwortung. „Wir wollen auch langfristig unsere Kunden wettbewerbsfähig versorgen. Einen politisch verursachten Strompreisanstieg können wir dabei nicht gebrauchen. Wenn die Preise nicht passen, wird über einen Standortwechsel nachgedacht – und das wollen wir nicht.“ Dr. Günther plädierte dafür, begleitend bei einem Ausstieg aus der Kohle mit Augenmaß dafür zu sorgen, dass die chemische Industrie erhalten und international wettbewerbsfähig bleibt und sich Neues entwickeln kann. „Hier muss noch viel Kraft und Intelligenz investiert werden. Wir müssen achtsam sein, um die bisherige positive Entwicklung nicht in Frage zu stellen“, so der InfraLeuna-Chef.

Ein Standpunkt, den viele Teilnehmer des Workshops unterstrichen und entsprechende Rahmenbedingungen als „Handwerkszeug“ vor Ort von derPolitik einforderten. PW