13.06.2019    

Vor dem Burnout gegensteuern

Betriebspsychologe Stefan Schneider ist neu beim Werksärztlichen Dienst

Stefan Schneider ist Betriebspsychologe beim werksärztlichen Dienst Leuna. Foto: Petra Wozny

Seit Mitte März bereichert Stefan Schneider das Team des werksärztlichen Dienstes der InfraLeuna GmbH. Der gebürtige Würzburger ist Betriebspsychologe und will sich auf diesem Fachgebiet fortan für die psychologischen Belange der Mitarbeiter/innen und Unternehmen am Standort einbringen. Keine Frage, die Gesundheitsstatistik beweist, dass der Fachmann gebraucht wird. 18,3 Tage fehlt im Durchschnitt jeder Deutsche. Da machen die Beschäftigten in Leuna keine Ausnahme.

"Die Zahl der Ausfälle aufgrund von psychischen Störungen steigt", schildert Schneider. Menschen arbeiten nicht selten bis an ihre Grenze – und darüber hinaus. . Hinzu kämen immer komplexere Arbeitsabläufe. "Wer da nicht gegensteuert, fühlt sich von der Arbeit erschlagen, brennt aus. Die Folgen sind chronische Erschöpfung, Frust, Trauer, Ärger, Depression", macht Stefan Schneider deutlich.

Der Betriebspsychologe will präventiv wirken, bevor es zum Ausfall, dem Griff zur Flasche oder gar der Einnahme von Drogen kommt. Mit kritischer Distanz nähert er sich den Problemen der Probanden und geht dem Ungleichgewicht auf die Spur. "Mein Anliegen ist es, die Stärken der Menschen herauszufinden, die Gedanken auf sie zu lenken", sagt Schneider. Dabei ermutigt er sie, offen für Hilfe zu sein. Weniger die Frage des Warum, sondern eher – „Wie gehe ich mit der Situation um?“ - soll dabei im Mittelpunkt stehen. Das sei noch nicht in allen Köpfen. Doch geht es den Mitarbeitern gut, geht es auch den Unternehmen gut. So gesehen hilft der Betriebspsychologe mit seinem Know-how die Fehlzeiten zu senken und die Entgeltfortzahlungen zu reduzieren.

Stefan Schneider ist sich bewusst, dass die Psychologie noch immer mit Vorurteilen behaftet ist. Beim Arbeitsschutz diskutiere niemand mehr, so die Erfahrung des 49-Jährigen. Der Bereich Psychologie sei jedoch lange Zeit wie ein Stiefkind in der Wirtschaft behandelt worden. Zum Glück setze ein Umdenken ein. In Leuna sei er sehr gut aufgenommen worden. Manche hätten den Neuen auch mit den Worten "Endlich!" begrüßt. Stefan Schneider will über die Betreuung der Probanden in den Unternehmen aktiv werden. So organisiert er gemeinsam mit dem werksärztlichen Dienst Gesundheitstage zum Thema Burnout, begleitet Verfahren zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) mit und plant Seminare mit Unternehmern oder Betriebsräten zum Stressmanagement.

Stefan Schneider ist verheiratet und hat einen Sohn. In seiner Freizeit fährt er Motorrad, spielt Squash, geht schwimmen und verreist gern. PW