08.02.2018    

Vierter Produktionsrekord in Folge

Neues Jahr, neue Aufgaben. Dr. Steffen Schaffarczyk, Leiter der Arkema-Niederlassung Leuna, übernimmt die Leitung des 140 Mitarbeiter starken Arkema-Standorts Zwickau. Sein Nachfolger in Leuna ist ein alter Bekannter: Dr. Uwe Poser. Im Interview mit dem Leuna-Echo zieht Dr. Steffen Schaffarczyk Bilanz.

Welche Aufgaben standen vor Ihnen, als Sie 2011 Arkema Leuna übernommen haben?
Es war zunächst mal eine Rückkehr, nachdem ich den Standort 2004 verlassen hatte und in die Konzernzentrale nach Paris gegangen war. So hatte ich eine sehr kurze Einarbeitungszeit. Ich kannte das Team – und das Team kannte mich. Alle wussten von Anfang an, wie wir Projekte angehen, wie der Umgang miteinander ist. Das war sehr hilfreich, sehr positiv. Und klar waren auch die Aufgaben: Wir wussten, wir können mehr aus der Anlage herausholen, können Entwicklungsprojekte angehen, ohne dass große Investitionen fließen müssen. Die Story der letzten sechs Jahre war die der Feinoptimierung des Prozesses, der Abläufe und der höheren Kapazität – dabei haben wir sehr viel erreicht.

Im Jahr 2009 lag die Jahreskapazität noch bei 40.000 Tonnen Wasserstoffperoxid…
….und 2017 sind wir bei 43.000 Tonnen angekommen. Das war der vierte Produktionsrekord in Folge – und das ohne signifikante Investitionen. Diese Steigerungen setzen sich zusammen aus Verbesserungsvorschlägen der Mitarbeiter, aus neuen Ideen der Prozessabteilung der Business Unit und innerhalb des Manufacturing Networks. Dank dieser Projekte haben wir es geschafft, die Stillstandszeiten zu reduzieren und die Anlage komplett auszufahren. Das ist eine bedeutende Leistung des Teams gewesen, die jetzt auch über das Jahr 2017 hinaus wirken wird. Diese Art und Weise der Optimierung wird weiterhin fortgeführt bis hin zur angestrebten Jahresleistung von 45.000 Tonnen Wasserstoffperoxid.

Sie haben das Team angesprochen: Wie wichtig ist das Kollektiv, die Atmosphäre im Unternehmen, für den Erfolg?
Das ist von enormer Bedeutung. Die Besonderheit unserer Niederlassung ist eben das kleine, aber verschworene, aufeinander eingespielte Team mit 40 Mitarbeitern in Leuna und zehn Beschäftigten in Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz). Viele haben ihre Anfänge in der Zeit, als die Anlage ausgelegt und gebaut worden ist. Das heißt aber auch, dass der Generationswechsel eine aktuelle Aufgabe ist, der wir uns intensiv widmen, um den Zusammenhalt und das besondere Miteinander zu pflegen, zu erhalten. Deshalb ist die umsichtige, detaillierte Nachfolgeplanung sehr wichtig. Um die richtigen Mitarbeiter für zu besetzende Stellen zu finden, arbeiten wir eng mit Personalfirmen zusammen, führen viele Gespräche mit Kandidaten, wobei der Fokus neben den fachlichen Qualitäten natürlich besonders auf der Teamfähigkeit liegt. Dieser Ansatz hat sich bewährt.

Die großen Zahlen zur Unfallfreiheit sprechen ebenfalls Bände…
Ja sicher, die Arbeits- und die Prozesssicherheit spielen eine ganz große Rolle bei uns. Um die Mitarbeiter zu schützen, um Auswirkungen auf unsere Anrainer zu vermeiden, um kontinuierlich produzieren und liefern zu können. Dabei spielt die Sensibilität und die Aufmerksamkeit jedes einzelnen Mitarbeiters eine sehr große Rolle, um Risiken zu erkennen und durch geeignete und angemessene Maßnahmen auszuräumen. Und Erfolg ist auch eine Frage der Optimierung der Abläufe. Die Arkema-Gruppe hatte sich entschlossen, das Supply-Chain-Management mit SAP abzubilden. Das war ein bedeutendes Projekt, weil es dafür notwendig war, all unsere Supply-Chain-Prozesse im Detail zu hinterfragen, neu zu ordnen, anzupassen an die neuen SAP- und Arkema-Strukturen. Am 1. Januar 2017 sind wir live gegangen und haben das Ganze mit Bravour implementiert. Natürlich gab es die üblichen Stolpersteine, aber letztlich waren wir erfolgreich, sodass wir den Produktionsrekord von 43.000 Tonnen erreicht haben. Auch das spiegelt die erfolgreiche Arbeit des Teams wider.

Welche Bedeutung haben die Energiepreise für den Standort?
Energie- und Rohstoffpreise sind für uns ein wichtiger Kostenblock bei der Herstellung unserer Produkte. Wir haben gerade beim Thema Energie seit Jahren sehr intensiv mit der InfraLeuna als unserem Energielieferanten zusammengearbeitet. Und letztlich hat das „Energiekonzept 2014“ der InfraLeuna dazu geführt, dass wir am Standort wettbewerbsfähige Energiekosten bekommen haben.

Zudem spielt Ihnen sicher die gute Konjunktur in die Karten?
Es ist in der Tat so, dass wir eine positive Konjunkturlage haben. In den Ländern, in die wir unsere Produkte verkaufen – Deutschland und die Anrainerstaaten – ist die Konjunktur in den Branchen, in die wir verkaufen, bestens. Ob Papier- oder Chemieindustrie oder Spezialitätenanwendungen: Wir können die Mengen, die wir anbieten, auch wettbewerbsfähig absetzen. Zudem produzieren wir sehr zuverlässig und kontinuierlich. Das wiederum hat seine Ursachen in der kontinuierlichen Belieferung mit Rohstoffen – Wasserstoff von Linde beispielsweise. Nicht zuletzt sei auch die Organisation der Stillstände genannt, die Maintenance-Tätigkeiten, das Zusammenspiel mit unserem Hauptpartner Bilfinger – all das führt dazu, dass wir punktgenau Stillstände planen können und dann wieder verfügbar sind, wenn unsere Kunden das benötigen.

Welchen Ausblick haben Sie für die Niederlassung Leuna in den nächsten Jahren?
Natürlich ist Kontinuität in der Vorgehensweise der Schlüssel für den Erfolg. Dafür steht Uwe Poser, schließlich kennt er das Werk und die meisten Mitarbeiter. Und dafür steht auch das Team bei der Weiterführung der Projekte für die Zielstellung, die Effizienz Schritt um Schritt weiter zu verbessern.

Und generell?
Wir sprechen in der Branche sehr viel über Digitalisierung. Derzeit ist der Großteil der Industrie auf einer Stufe, wo es gilt, das Ganze noch genauer zu verstehen, Vorteile und eventuelle Nachteile zu erkennen und wie wir entsprechende Projekte konkret in unsere Prozesse einbinden können. Das ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Dafür ist das Unternehmen gut aufgestellt: Die Arkema-Gruppe hat aus diesem Grund auf Vorstandsebene ein entsprechendes Ressort gebildet, sodass jetzt die Struktur und die Ressourcen für erfolgreiche Digitalisierungsprojekte vorhanden sind. Autor: UR