23.06.2018    

TOTAL und DOMO feiern Großinvestition mit hochrangigen Gästen

Als Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff den roten Schutzanzug überzieht, herrschen am Standort in Leuna hochsommerliche Temperaturen. Immer mal schieben sich Wolken vor die Mittagssonne – prima Fotowetter. Es dürfte allerdings ziemlich warm in der sicheren Kluft sein.

Feierliche Ehrung der Projektteams im cCe Kulturhaus Leuna

Wenige Minuten bevor der Ministerpräsident das rote Band zur Inbetriebnahme einer der größten Investitionen der letzten Zeit durchschneidet, scherzt er noch im wohltemperierten cCe Kulturhaus Leuna vor mehr als 120 Gästen, dass er „für so einen Anlass gern schwitzt.“ Tatsächlich feiern die Geschäftsleute, Politiker und Mitarbeiter an diesem sonnigen Maitag ein Projekt, das nicht nur durch seine schiere Größe etwas Besonderes darstellt.

Drei Kolonnen und 1,6 Kilometer Rohrleitungen
Natürlich beeindrucken die 60 Millionen Euro Investment, die in die zwei Benzolteilanlagen – bestehend aus insgesamt vier Kolonnen, eine bei TOTAL und drei bei DOMO sowie die insgesamt 1,6 Kilometer anlagenverbindende Rohrleitungen geflossen sind. Doch mindestens ebenso bedeutsam ist, dass sich zwei wichtige Unternehmen am Standort für das Vorhaben zusammengetan haben. Die TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland und DOMO Chemicals haben das Großprojekt zur Herstellung und Extraktion von Benzol gemeinsam gestemmt. Sowohl bei TOTAL als auch bei DOMO stehen nun funkelnagelneue Anlagen.

Für beide Unternehmen ist die Investition der Grundstein für eine noch tiefere und nachhaltigere Zusammenarbeit. Die Idee besticht: Rohbenzol, das bei der Benzinherstellung als Zwischenprodukt anfällt, wird direkt von der TOTAL Raffinerie zu DOMO geleitet. Dort wird der Reinstoff für die weitere Verarbeitung extrahiert und der restliche Produktstrom in einem geschlossenen Kreislauf zur Raffinerie zurückgeführt.

Win-Win-Entwicklung für die Partner
"Das ist eine Win-Win-Entwicklung“, sagt Dr. Willi Frantz, Geschäftsführer der TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH. „Sie stärkt unsere Integration in den mehr als 100 Jahre alten Chemiepark sowie unsere partnerschaftlichen Beziehungen zu unseren Nachbarn durch die Herstellung eines neuen petrochemischen Produkts.“ Zudem erhöht das neue Produkt die Effizienz. „Am Ende machen wir die Anlage wettbewerbsfähiger. Wir sind dankbar für diese Erweiterung unseres Produktportfolios im Einklang mit unserer Strategie und der Ausrichtung auf nachhaltige Märkte“, erklärt Dr. Willi Frantz.

DOMO sichert sich im Gegenzug langfristig den Zugriff auf einen wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Caprolactam, denn Markt und Verfügbarkeit von Benzol in Europa schrumpfen. So freut sich Luc De Raedt, Geschäftsführer der DOMO Caproleuna GmbH: „Diese neue Anlage sichert uns langfristig eine hervorragende Wettbewerbsposition am globalen Markt. Der Zugriff auf Benzol als strategischer Rohstoff ist für unsere integrierte Polyamid-6-Produkionskette bedeutend.“ Durch das Projekt stärkt DOMO zudem seine Position als Technologie- und Kostenführer durch weitere Vertiefung der Wertschöpfungskette bei der Caprolactamproduktion.

Weit sichtbares Zeichen
Auf einer Bustour durch die Anlagen werden die Worte vor den Augen der Gäste plastisch. Bei strahlendem Sonnenschein glitzern die Metallkonstruktionen an den neugebauten Anlagen auf den Arealen der beiden Unternehmen. Bei TOTAL reichert die neue Anlage das Benzol an, dieser sogenannte Benzol-Schnitt wird durch die gigantischen Leitungen direkt zu DOMO transportiert und dort in einer neuen 74 Meter hohen Kolonne extrahiert. Das fertige Benzol gelangt dann direkt in die Produktionsanlagen. Die riesige DOMO-Kolonne ist ein weit sichtbares Zeichen für das Großprojekt – schließlich handelt es sich um das höchste Gebäude am gesamten Standort.

In leuchtend roten Sicherheitsanzügen sorgen der Ministerpräsident und die Top-Manager von TOTAL und DOMO für das Fotomotiv des Tages. Der Schnitt durch das rote Band ist ein Symbol für die künftige Zusammenarbeit. Die hat derweil schon vor dem Cut begonnen – die ersten Tonnen Benzol(-schnitt) sind bereits durch die Rohre gegangen. Demnächst sollen die Anlagen bei TOTAL und DOMO auf Volllast laufen.

Bekenntnis zum Standort
Ein schönes Gefühl für alle Projektbeteiligten – viele Jahre haben vielköpfige Teams der beiden Unternehmen an dem Projekt geplant und gearbeitet. Bereits 2014 begannen die ersten Engineering-Aktivitäten, im November 2015 fiel seitens DOMO und TOTAL die Entscheidung und im Juni 2016 begannen die ersten Bauarbeiten. Zum Jahreswechsel 2017/2018 waren die Anlagen fertig.

Künftig deckt DOMO 40 Prozent seines Benzol-Bedarfs direkt aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen gewinnt dadurch auch die Öko-Bilanz. Schließlich wurde der Stoff bislang in Containern aus ganz Europa herbeigeschafft. Zahllose Transporte entfallen nun und sorgen für Nachhaltigkeit im ganz ursprünglichen Sinne.

Noch einen weiteren Gewinner gibt es: Den Standort mit seinen insgesamt 10.000 Mitarbeitern. Denn eine Investition dieses Ausmaßes, die obendrein die Geschäftsbeziehungen zweier wichtiger Unternehmen vor Ort verstetigt, ist natürlich auch ein Bekenntnis zur Region. Ein neuerliches, denn schon seit über 20 Jahren bezieht DOMO auch Propylen von TOTAL. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff weiß um die Bedeutung der Chemie für das Bundesland und die Region. Gerade die Synergien sind für ihn die Lebensversicherung der Branche hierzulande. Mit Blick auf das Projekt sagt er: „Es unterstreicht den großen Erfolg dieses bei uns in Sachsen-Anhalt entwickelten Modells.“ Dafür lohnt es sich auch zu schwitzen.