12.01.2017    

Symbiose zwischen Tradition und Moderne

Tausende Liter Rohöl durchströmen die Pipeline, fließen unaufhaltsam aus dem 3.500 Kilometer entfernten Sibirien zur Weiterverarbeitung in die Raffinerie nach Leuna. Demgegenüber verlassen bis zu 400 Tanklastwagen und 250 Kesselwagen täglich die Verladestelle des Werks (Leuna-Echo 08/2016).

Susanne Glaser und Uwe Kahe tauschen im Büro Ideen aus

Das ist das öffentliche Bild von TOTAL in der Region. Hinter alldem steckt jedoch eine gewaltige Maschinerie, die unscheinbar ihre Arbeit verrichtet. Es geht um Netze, Tanks und Energie – ohne deren Zutun das Rohöl nicht veredelt würde.

An dieser Schnittstelle außerhalb der eigentlichen Produktionsanlagen, dem sogenannten Betriebsbereich Offsites, arbeitet Susanne Glaser. Sie kennt den Stellenwert ihrer Tätigkeit. Dementsprechend selbstbewusst nimmt die erst 31-Jährige ihre Aufgabe wahr. Dass Glaser ihr Fach beherrscht, daran besteht kein Zweifel. Eigens für sie hat ihr Arbeitgeber die Stelle des „Senior-Betriebsingenieurs Offsites“ geschaffen, wohl wissend, welche Energie in der jungen Frau steckt. Verschiedene Stationen in der Raffinerie, aber auch
ein Auslandsjahr bei Total in Frankreich absolvierte die Diplomverfahrenstechnikerin bereits. Die dabei gesammelten Erfahrungen bringt sie jetzt in der neuen Stelle ein.

Das Pensum, das es zu bewältigen gilt, ist enorm. Es geht um nichts weniger als die betriebliche Absicherung der Kraftstoff- und Methanol-Herstellung. Dafür müssen auf dem Betriebsgelände neben tausenden Kilometern Rohr auch Leitungsnetze überwacht und gewartet, Abwasser fachgerecht aufbereitet,
Umweltkriterien eingehalten und die Lagerung der Produkte organisiert
werden. Ein vielschichtiges Spektrum, produktionsentscheidend. Auch deshalb
soll diesem Bereich mit Susanne Glaser künftig noch mehr Aufmerksamkeit
geschenkt werden.

Feuerwerk trifft Ruhepol
Glaser zur Seite steht Betriebsingenieur Uwe Kahe. Kahe ist ein gestandener Raffineriewerker, der sein Handwerk von der Pike auf lernte. Seit 1989 bringt er sich in Leuna ein. Zehn Jahre war der 53-jährige Schichtleiter im Abwasserbereich des Werkes. Seit 1999 ist er einer von insgesamt vier Betriebsingenieuren, verantwortlich für den Bereich Fackel, Abwasser und Rohrleitungsnetze. Was die Charaktere angeht, könnten Glaser und Kahe kaum unterschiedlicher sein. Glasers Feuerwerk an Ideen, dasVeränderungen vor Augen hat, die den Betriebsablauf weiter voranbringen, ihn noch effizienter machen sollen, steht Kahes innere Ruhe entgegen. Uwe Kahe spricht bedächtig, wägt ab, kalkuliert, prüft. An kaum einem Schreibtisch der Raffinerie sitzen Tradition und Innovation so dicht beieinander wie hier.

Versorgung der Raffinerie
Dieses Bündel an Kraft, Bewegung, Erfahrung und Ruhe agiert an markanter Stelle. Was Glaser und Kahe entscheiden und planen, verlangt nach einem vorausschauenden Blick. „Eines der obersten Ziele ist die Energieeffizienz, wobei die zunehmende Verzahnung der Energieversorgung am gesamten Standort eine entscheidende Rolle spielt“, betont Susanne Glaser. Ab 2017 werden die notwendigen täglichen Absprachen, etwa mit dem Raffineriekraftwerk, über den Betriebsbereich Offsites erfolgen.

Das Bündeln der Aufgaben garantiert aber noch längst nicht die Effektivität künftigen Handelns. Deshalb drängt Glaser darauf, dass auch die personelle Effizienz verbessert wird. In einem ersten Schritt soll die räumliche Distanz der Büros aller Offsites-Betriebsingenieure aufgehoben werden. Zwischenwände fallen, ein neuer Arbeitsbereich entsteht, der die schnelle Kommunikation untereinander garantiert. Mit dem freien Blick der „Neuen“ will Glaser alte Pfade zügig verlassen. Kosten- und Zeitersparnis gibt’s gratis dazu.

„Die Aufgaben, die vor uns liegen, verlangen diesen Weg”, stellt auch Kahe klar. Das Werk muss sich auf einen technischen Generationenwechsel vorbereiten, moderne Störfallpläne erarbeiten. Zusätzliche Veränderungen stehen bei der Schichtarbeit an. Lösungen für diese Herausforderungen zu finden, wird sicher nicht immer leicht. Doch dank des hier vorhandenen gesunden Mix‘ aus Alt und Jung, Tradition und Moderne ist ein erster, wichtiger Schritt getan.
Sven Gückel