01.07.2020    

Neues Tor zur Leuna-Welt

Mit digitaler Technik und genaueren Vorschriften wird die Zufahrt auf den Chemiestandort optimiert.

Augenscheinlich ist es immer das Gleiche – ein Lkw kommt zum Tor 6, der Fahrer meldet sich an, bekommt seine Zufahrtsberechtigung und fährt zum jeweiligen Verladepunkt innerhalb des Chemiestandortes Leuna. Hunderte Male geschieht das so täglich. Doch wer genau hinschaut, der erkennt schnell: jeder Transport, jeder Fahrer, jede Ladung ist anders.

Die Betreibergesellschaft InfraLeuna hat in den vergangenen Monaten beträchtliche Summen investiert, um das Anmelde- und Abfertigungssystem zu modernisieren. Das neue Anmelde- und Abfertigungssystem „Visit“ löst das bisherige Einlasskontrollsystem ab. Während die Lkw-Abfertigung bereits in den vergangenen Monaten automatisiert wurde, wird in der zweiten Stufe nun auch die Abfertigung der Besucher integriert. Der zuständige Werkschutz-Chef Wolfgang Stephan erklärt, was es damit auf sich hat: „Es ist ein sehr umfassendes Projekt, das den Firmen am Standort große Vorteile bringt, uns aber gleichzeitig auch die Arbeit vereinfacht.“ So werden viele Schritte nun digital verarbeitet. Die Werkschutz-Mitarbeiter erfassen die Fahrzeuge, die Ladung und Gefahrstoffe direkt am Lkw mit einem Tablet, die Daten landen im Computersystem.

Sicherheit in 30 Sprachen
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die neuen Sicherheitsunterweisungen, die mit den Firmen am Standort abgestimmt worden sind, erklärt Stephan. Statt eines Videos und einem anschließenden Test gibt es nun eine kurze Präsentation an interaktiven Bildschirmen. Dabei können die Fahrer und Besucher nun in 30 verschiedenen Sprachen begrüßt und durch das System geleitet werden. „Jede Sicherheitsunterweisung können wir in den Landessprachen anbieten – das geht von Farsi über die baltischen Sprachen bis Kasachisch“, nennt der Werkschutz-Chef einige Beispiele.

Wichtig ist Stephan, dass das System den neuesten Anforderungen an den Datenschutz entspricht. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, mehr Informationen zu den Transporten zu sammeln - diese werden von vielen Firmen abgefragt.“ So ist beispielsweise die automatisierte Fahrgutkontrolle ein wesentlicher Punkt. Im Jahr 2019 sind beispielsweise 29000 Gefahrguttransporte verarbeitet worden – die digitale Verarbeitung bringt den Firmen und der InfraLeuna enorme Vorteile – die Gefahrgutprotokolle werden nun standardisiert verarbeitet und verschickt. „Perspektivisch möchten wir dahin kommen, dass die Protokolle nur noch auf elektronische Weise verschickt werden“, sagt Stephan.

Gleiches gilt für Mängellisten oder die Erfassung der persönlichen Schutzausrüstung – die einfache Weiterleitung der Informationen an die Firmen ist auch dabei das erklärte Ziel der InfraLeuna. „Mit dem System stellen wir sicher, dass ein Fahrzeug erst dann einfahren kann, wenn alle Überprüfungen erfolgreich bestanden worden sind, bisher war das zwar auch so, aber mit großem Aufwand verbunden.“ Die Schranken zum Chemiestandort öffnen sich also künftig nur, wenn alle erforderlichen Kontrollen zentral digital erfasst und freigegeben wurden.

Verkehr wird weiter optimiert
Mit der Einführung des neuen Anmelde- und Abfertigungssystems setzt die InfraLeuna eines ihrer größten Projekte um. „Es ist eine Gemeinschaftsarbeit von Werkschutz und Logistik, die einige Jahre Vorbereitung bedurfte und auch noch nicht abgeschlossen ist“, so Stephan. Denn auch die Verkehrsführung wird am Tor 6 vor allem für den Lkw-Verkehr noch optimiert.

Weitere Optimierungen für die Firmen am Standort sind möglich. Gerade die Erfassung der Ankunfts- und Abfahrtszeiten sowie die wichtigen Daten zu geladenen Stoffmengen bringen für die Mitarbeiter an den rund 300 Verladestellen im Chemiepark enorme Vorteile. Ein weiterer Pluspunkt: Das System ist mandantenfähig – mit entsprechenden Schnittstellen können die Firmen auch direkt auf die jeweils relevanten Daten der InfraLeuna zugreifen. Selbstverständlich werden dabei alle Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung eingehalten. Die Daten der Besucher werden dabei nach Wunsch entweder für vier Wochen oder für ein Jahr gespeichert. Anschließend werden die Daten anonymisiert und nach Handelsrecht für insgesamt 10 Jahre gespeichert.

40 Mitarbeiter des Werkschutzes wurden in den vergangenen Monaten geschult. „Für uns war es ein sehr herausforderndes Jahr, da ja eben zwei Systeme parallel liefen“, so Stephan. Für die Besucheranmeldung steht das moderne System übrigens nun auch an den Toren 1, 8 und 12 zur Verfügung.