15.03.2018    

Miteinander arbeiten, einander verstehen

Rund 100.000 Mitarbeiter in 130 Ländern arbeiten für den international aufgestellten französischen TOTAL-Konzern. Da ist es selbstverständlich, dass gefragte Fachleute auch jenseits der Heimat eingesetzt werden. Das ist eine sprachliche Herausforderung, aber auch eine kulturelle.

Am Ende profitiert das Unternehmen genauso wie der Mitarbeiter: Wer miteinander arbeitet und redet, versteht sich auch besser.

Beispielsweise Godfred Mante – seit vier Jahren arbeitet er nun schon in der TOTAL Raffinerie Leuna. Als Controller macht er das, was Controller eben tun: Er prüft Plan- und Budgetzahlen, analysiert beispielsweise die Gründe von Mehrausgaben, kümmert sich um das konzerninterne Planungs- und Berichtswesen, und macht Vorschläge, wenn er Einsparpotenziale entdeckt. Allerdings erledigt das der Franzose, gebürtig in Straßburg, auf Deutsch. Vom ersten Tag an.

Lernen, lernen, nochmals lernen

„Das erste halbe Jahr war schon schwierig“, berichtet der 30-Jährige nahezu akzentfrei. Seine Deutschkenntnisse waren anfangs nicht sehr umfangreich, für fast jeden geschriebenen Satz musste er im Wörterbuch nachschlagen, schließlich sollte alles korrekt sein. Das kostete jede Menge Zeit. Aber natürlich gab es viel Unterstützung von den Kollegen. Rasch fanden sich zudem eine Wohnung in Leipzig und ein neuer Freundeskreis.

„Ich habe mich schnell eingelebt und wohlgefühlt“, erinnert sich Godfred Mante, der unbedingt ins Ausland und neben Englisch eine zweite Fremdsprache lernen wollte.  Sehr hilfreich beim Lernen waren für ihn sogenannte Tandem-Gespräche. Er traf sich mit Freunden und Bekannten im Café, die ihre Französisch-Kenntnisse aufbessern wollten. In der ersten Stunde unterhielt man sich deutsch, in der zweiten französisch.

Knapp ein Jahr dauerte es, bis sich Godfred Mante sprachlich sicher fühlte. Ungefähr genauso lange schwitzte Kay Fichtner, bis es mit der Kommunikation passte. Der Ingenieur hatte sich auf der Abendschule auf seinen Auslandseinsatz vorbereitet, französische Grammatik, Vokabeln und Aussprache gepaukt. Doch als er im Frühjahr 2015 in die TOTAL-Zentrale nach Paris kam, musste er feststellen, dass das für die Praxis nicht reichte.

„Extrem spannend, super Herausforderung“

Der ehemalige Leiter der POX-Methanol-Anlage hatte mit Schnellsprechern, diversen Akzenten und Fachsprache zu tun. „Ich bin ins Französische eingetaucht“, sagt Kay Fichtner, „ob TV oder Zeitung lesen, Englisch habe ich mir verboten.“ In Paris vertiefte er sich in die Organisationsstruktur des Konzerns, lernte den französischen Alltag kennen, baute Kontakte auf.

Im Herbst 2015 der Wechsel nach Brüssel. Hier wirkte er bis Herbst 2017 als Koordinator für zwei Raffinerien, in Lyon und Lavera bei Marseille. Neue Herausforderungen: „Beide Raffinerien sind Joint Ventures, da muss man sich auch juristisch auskennen und durchzusetzen wissen“, erklärt Kay Fichtner. Zudem haben die Südfranzosen einen starken Dialekt, oft ganz andere Wörter, sind lebhafter, direkter als ihre Landsleute aus dem Norden.

Anfangs war dies für beide Mitarbeiter eine große Herausforderung: Sprache lernen, Kultur kennenlernen und dabei auch noch gute Arbeit pünktlich abliefern. „ Es war so fordernd, dass man kaum andere Gedanken als die an Arbeit oder Sprache hatte“, sagt Kay Fichtner, will das aber nicht negativ verstanden wissen, sondern als „extrem spannend, super Erfahrung“.

Godfred Mante nickt zustimmend. Leicht macht er es sich sowieso nie. Nach dem Abitur hat er Betriebswirtschaft studiert, aber um beruflich weiter zu kommen, ist in Frankreich noch ein Abschluss an einer privaten – und teuren – Grand Ecole nötig. Dafür hat er zunächst zwei Jahre bei einer Bank und einer Behörde gejobbt und sich das Geld für dieses Studium erarbeitet.

Kulturell ein Riesenzuwachs

Kay Fichtner und Godfred Mante sind sich einig, dass ihnen ihr Aufenthalt im jeweils anderen Land viel gebracht hat. Kulturell sei das ein Riesenzuwachs gewesen, weil man nun weiß, wie die Menschen im anderen Land ticken, weil man für sich selbst Neues abgucken kann. Kay Fichtner lernte die Flexibilität der Franzosen zu schätzen, Godfred Mante die Ordnungsliebe und Disziplin der Deutschen.

Kay Fichtner ist zurück in Leuna und als Integration Manager für das Projekt Leuna2020+ die verantwortliche Schnittstelle zwischen dem Projektteam und der Raffinerie. Die französische Erfahrung hilft ihm mit Sicherheit, seine Aufgabe beim gewaltigen Umbau der Raffinerie bestens auszufüllen.

UR