05.11.2018    

Mehr als nur Benzin und Diesel

Die TOTAL Raffinerie Leuna liefert neben Sprit wichtige Rohstoffe für die Industrie der Region.

Foto: Michel Labelle

Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas, Flugkraftstoffe: Ein Großteil der Produkte der Total-Raffinerie Leuna aus der Verarbeitung von jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Erdöl dient energetischen Zwecken, treibt Pkw und Lastkraftwagen, Lokomotiven und Flugzeuge an. Die 660 Raffineriemitarbeiter und ihre Kollegen von den unterstützenden Dienstleistungsfirmen arbeiten dafür Tag und Nacht, rund um die Uhr, das ganze Jahr.

Benzol für DOMO
Über den Kraftstoff hinaus produziert die Raffinerie für die Industrie Bitumen und Methanol. Bei den verschiedenen Verarbeitungsschritten entstehen die begehrten Rohstoffe Naphta (Rohbenzin) für den Dow-Cracker in Böhlen, Schwefel und Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid, Wasserstoff, Propylen und Benzen, auch Kohlenmonoxid. Überschüssige Energie wird in den energetischen Verbund der InfraLeuna abgegeben. Jüngstes Projekt für die Zusammenarbeit in der Industrie ist die 60-Millionen-Euro Investition von TOTAL und DOMO zur Herstellung und Extraktion von Benzol. Die neue Anlage in der Raffinerie reichert ein Zwischenprodukt aus der Benzinproduktion an, leitet diesen Benzol-Schnitt durch eine 1,6 km lange Rohrleitung und speist eine neue DOMO-Anlage in der Polyamid-6-Produkionskette. Beide Teilanlagen nahmen Anfang 2018 nach einer dreijährigen und unfallfreien Bauzeit den Betrieb auf.

Bitumen für den Straßenbau
Welche Produkte gehen beispielsweise noch in die Industrie? Zwischen April und Oktober vermehrt sich die Zahl der Straßenbaustellen sprunghaft. Und damit die Anzahl der Staus oder wenigstens zähflüssiger Verkehr. Die Erklärung dafür ist simpel: Das Wetter ist für Straßenarbeiten viel besser geeignet als im Winter. Der wichtigste Rohstoff für Straßenbauer ist Bitumen, ein zähflüssiges, wasserunlösliches und gegenüber chemischen Einflüssen beständiges Produkt für die Straßendecke. Für die sachgerechte Verarbeitung darf die Außentemperatur allerdings nicht unter 8 Grad Celsius sinken.

Bitumen fällt bei der Verarbeitung von schwefelreichem Erdöl an, das die Total-Raffinerie Leuna aus Russland bezieht. Bitumen bleibt als Rückstand in der Vakuumdestillation übrig. Gelagert wird das schwarze „Erdpech“ in beheizten Tanks – sonst würde es fest. Einige hunderttausend Tonnen liefert die Raffinerie im Jahr. In Mischwerken wird es noch mit Sand, Kies und Split fertig für den Straßenbau gemacht. Insgesamt liefert die Raffinerie vier verschiedene Sorten aus. Drei für die Straße, eines wird etwa bei Dachpappen verarbeitet.

Putz, Platten und Estrich
Indirekt liefert die Raffinerie auch REA-Gips für die Bauindustrie. Der entsteht gleich nebenan – im STEAG-Kraftwerk Leuna. Das produziert seit 1996 aus flüssigen und gasförmigen „Raffinerie-Nebenprodukten“, die für anderes nicht taugen, Strom und Dampf für die Raffinerie. Bei der Rauchgasentschwefelung (REA), mittels Kalkwäsche durchgeführt, wird sowohl Kalkstein als auch Branntkalk verwendet – und am Ende bleibt REA-Gips übrig. REA-Gips ist chemisch identisch mit natürlichem Gips, aber meist von höherer Reinheit. Er kann Naturgips in fast allen Anwendungen ersetzen. Selbst der Naturschutzbund (NABU) begrüßt seinen Einsatz als ökologisch vorteilhaft. Das STEAG-Kraftwerk Leuna liefert so etwa 40.000 Tonnen Gips im Jahr an die gipsverarbeitende Industrie, der am Ende als Putz, Platten oder Estrich auf dem Bau landet.

Vielseitige Chemikalie
Die POX-Methanolanlage, 1985 in Betrieb genommen, hat eine Kapazität von 700.000 Jahrestonnen Methanol. Mit fast 50 Millionen Tonnen pro Jahr ist es eine der weltweit am meisten produzierten Chemikalien. Der Rohstoff wird für viele Alltagsprodukte gebraucht, beispielsweise für Kraftstoffzusätze, Kunststoffe, Leim und Reinigungsmittel. Auch zur Abwasserbehandlung wird Methanol eingesetzt. Europas zweitgrößter Methanol-Hersteller vergast per partieller Oxidation, deshalb das POX im Namen, die Rückstände aus der Vakuumkolonne, die ansonsten noch für Bitumen verwendet werden können. Sie liefert auch Wasserstoff für die Entschwefelungsanlage der Raffinerie. Übrigens: Der TOTAL Konzern besitzt ein bundesweites Netz mit rund 1300 Tankstellen. Pro Tag kaufen hier insgesamt rund 650.000 Kunden ihren Kraftstoff und Produkte aus den Tankstellenshops.


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