05.08.2019    

„Leuna ist infrastrukturell gut aufgestellt“

Interview mit Reinhard Schröter, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau

Reinhard Schröter

Wie bewerten Sie die Anbindung des Chemiestandorts Leuna?

Ganz wichtig: Der Chemiestandort Leuna ist Bestandteil des Stoffverbunds im mitteldeutschen Chemiedreieck. Was nun die infrastrukturelle Anbindung über die Straße betrifft: Diese ist gut und wird noch besser, wenn die L 178n komplett fertig gebaut sein wird. Dann ist eine optimale Anbindung an die Autobahn A38 und die B91 gegeben. Was für den Standort Leuna insbesondere wichtig ist und noch wichtiger werden wird, ist die Schienenanbindung. Vor zwei Jahren ist beispielsweise der zweite Übergabebahnhof gebaut worden.
Insofern ist Leuna infrastrukturell gut aufgestellt und wird dies auch weiter ausbauen, so dass die Standortgesellschaft die entsprechenden Dienstleistungen für ihre Kunden in Umfang und Qualität noch weiter verbessern kann – zumal die InfraLeuna nun seit einiger Zeit auch bundesweit immer aktiver wird. Sie kümmert sich mit uns gemeinsam darum, die öffentliche Verkehrsinfrastruktur zu optimieren, damit die Produkte aus Leuna immer pünktlich und sicher zum Kunden kommen.

Der öffentliche Nahverkehr freilich lässt zu wünschen übrig …

Der klassische Berufsverkehr, wie wir ihn von früher kennen, ist heutzutage nicht mehr finanzierbar. Wenigstens haben wir mit der Linie 5 überhaupt noch eine Straßenbahnverbindung. Hoffnung geben mir in dieser Hinsicht die Empfehlungen der Kohlekommission sowie die daraus zu erwartenden Verbesserungen im mitteldeutschen S-Bahn-Netz. Natürlich kann nicht jeder Wunsch umgesetzt werden, aber das wird auch unserer Region helfen. Pkw – und eben auch Lkw – werden jedoch ein wichtiger Teil des Gesamtsystems bleiben.

Wie attraktiv ist aus Ihrer Sicht Leuna für neue Ansiedlungen?

Der Standort hat zum einen noch relativ große Flächen zu vergeben. Darüber hinaus ist hier klug mit den Flächen umgegangen worden, indem man bei Investitionen nach ihrem Beitrag zum Stoffverbund geschaut hat. Zudem wird seit langem sehr erfolgreich an der Frage auskömmlicher Energiekosten und stabiler Energieversorgung gearbeitet. Im Hinblick auf den Kohleausstieg stehen wir vor der großen Aufgabe, diesen Stand zumindest zu halten. Aktuell weiß ich um eine ganze Reihe von Anfragen von Unternehmen, sich in Leuna niederzulassen. Darüber hinaus belegen die internen Erweiterungen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. So viel Geld würde nicht fließen, wenn Leuna kein attraktiver moderner Chemiestandort wäre – auch global betrachtet.

Bis zum 1. Oktober werden noch Bewerbungen zum Innovationspreis Sachsen-Anhalts angenommen, es gibt auch einen Sonderpreis zum Thema Logistik und Mobilität. Worauf zielen Sie damit ab?

Wir sind da völlig offen. Es gibt für Bewerbungen überhaupt keine Einschränkungen – damit würden wir uns selbst Grenzen errichten. Das Thema Mobilität und Logistik ist eines, das insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung ganz neue Ausrichtungen erfahren wird. Hier ist jeder mit guten Ideen gefragt, vor allem auch mit dem Ziel, sie in die Praxis umzusetzen. Ich kann nur alle ermuntern, Ideen und Umsetzungsskizzen einzureichen.