13.05.2020    

„Das Ziel ist, die Produktion aufrecht zu erhalten“

Ein Interview mit Dr. Josephine Reeg vom werksärztlichen Dienst in Zeiten der Corona-Pandemie.

Dr. Josephine Reeg, Leiterin des werksärztlichen Dienstes der InfraLeuna. Foto: Petra Wozny

Das Corona-Virus hat die Welt im Griff. Auch am Chemiestandort Leuna kämpft ein Hygiene-Team gegen dessen Ausbreitung. Dr. Josephine Reeg, die Leiterin des werksärztlichen Dienstes der InfraLeuna, erklärt wie sich ihre Arbeit in den vergangenen Wochen verändert hat.

Wegen der Corona-Pandemie sind am Chemiestandort zahlreiche zusätzliche Hygienemaßnahmen getroffen worden. Werden diese Ihrer Meinung nach eingehalten? Ja, inzwischen schon. Anfangs mussten mein Team oder ich auch mal eine etwas ernsthaftere Ansprache halten, weil das Verständnis für die Maßnahmen bei manchen noch nicht da war. Doch da hat es ein Umdenken gegeben. Heute sind die meisten dankbar für die Maßnahmen, haben Verständnis für Verzögerungen im normalen Ablauf und halten das Hygieneregime zu 90 Prozent ein. Unsere Aufgabe ist es nun, die Mitarbeiter zu motivieren, dass die hohen Hygiene-Standards weiter eingehalten werden.

Wie sieht der Arbeitsalltag des werksärztlichen Dienstes derzeit aus? Nachdem wir in den ersten Tagen ein Infektionsmanagement für Mitarbeiter und Kontraktoren installiert haben, geht es inzwischen hauptsächlich um Kontrolle, dass dieses auch eingehalten wird. Dafür gibt es jeden Tag ein Morgenmeeting unseres Teams. Wir klären, was wo zu tun ist. Müssen leere Behälter eingesammelt werden? Welche Mengen an Hände- und Flächendesinfektion müssen besorgt oder selbst angemischt werden? Daneben gibt es auch immer wieder Herausforderungen, für die kreative Lösungen gefragt sind. Doch das klappt bei uns im Team wirklich super.

Wer gehört alles zum Hygieneteam des Chemiestandortes? Das sind insgesamt vier Ärzte, sechs Schwestern, unser Betriebspsychologe, unsere Auszubildende, die Physiotherapeutin, die drei Mitarbeiter des Bereiches Kulturhaus der InfraLeuna Dienstleistungs GmbH (ILD) (siehe Bericht Seite XX) und vereinzelt noch Auszubildende aus anderen Bereichen der InfraLeuna. Dabei möchte ich betonen, dass keine Unterschiede zwischen den Kollegen gemacht werden, egal woher sie kommen. Manche laufen in solch schwierigen Zeiten zur Hochform auf. Viele Kollegen rücken zusammen - natürlich nur bildlich gesprochen. Unser Ziel ist es, die Produktion der Betriebe am Standort aufrecht zu erhalten.

Gibt es denn genügend Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung am Standort? Desinfektionsmittel ist kein Thema mehr. Dank der Firma MinAscent können wir den gesamten Standort damit versorgen und sind damit von außen unabhängig. Anders sieht es bei persönlicher Schutzausrüstung aus. Da ist der Markt leergefegt. Wir müssen deshalb gut mit unseren Beständen haushalten.

Die Leistungen im Gesundheitszentrum der InfraLeuna sind derzeit eingeschränkt. Was heißt das für die Mitarbeiter am Standort? Normalerweise sind ja Eignungs- und Vorsorgeuntersuchungen unsere Hauptaufgabe. Das ist jetzt natürlich anders. Wir bieten aber weiterhin Eignungsuntersuchungen an, beispielsweise für Fahrer nach der Fahrerlaubnisverordnung. Allerdings haben wir im Gesundheitszentrum selbst sehr strenge Hygienevorschriften. Deshalb können wir nicht mehr so viele Untersuchungen wie sonst machen. Die Probanden müssen also Geduld mitbringen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen gibt es Fristen, die teilweise ausgesetzt sind. Da die Untersuchungen später wiederholt werden müssen, werden wir also auch auf lange Sicht viel zu tun haben.

Im Gesundheitszentrum werden grundsätzlich keine Corona-Verdachtsfälle untersucht. Warum ist das so? Das stimmt, das machen wir nicht. Der Hintergrund ist, dass bei uns ja die Arbeitgeber alle Untersuchungen bezahlen. Wenn jemand Symptome hat, muss er sich deshalb an seinen Hausarzt wenden, denn er ist ja auch selbst krankenversichert. Wir dürfen als Betriebsärzte beispielsweise auch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Kassenrezepte ausstellen.

TK


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